Papua New Guinea PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Donnerstag, den 20. März 2008 um 16:51 Uhr

Papua New Guinea

Durch Zufall bin ich auf eine Hilfsorganisation gestoßen die Leute für Papua New Guinea gesucht hat und bin dann dort
drei Monate für den PC Bereich zuständig gewesen. Inzwischen habe ich ein paar Vorträge über den Aufenthalt gehalten
hier möchte ich jedoch vor allem über meine Erfahrungen mit Gewalt und Waffen berichten. Ingesamt kann man aber sagen, dass die
positiven Eindrücke durchaus überwiegen.

Papua Neuguinea ist nach Indonesien und Madagaskar der drittgrößte Inselstaat der Welt. Dieses Land ist ungefähr 14.000Km von Deutschland entfernt, mit dem Flugzeug ist man rund 28h unterwegs. 5,2 Millionen Menschen leben auf einer Fläche von etwa 462.000 km2, sie sprechen über 800 verschiedene Sprachen - gut die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 20 Jahre. Guinea gilt oftmals als das letzte Paradies der Erde - nicht umsonst heißt es auch "Land of the Unexpected".

Doch die Kriminalität nimmt immer größere Ausmaße an, unter anderem durch die hohe Arbeitslosigkeit bedingt - die derzeit etwa 95 Prozent der Einwohner betrifft. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2004 verzeichnete die Kriminalitätsstatistik des süd-pazifischen Inselstaates Papua-Neuguinea 324 Morde und 563 schwerwiegende Sexualdelikte. Davon entfielen 85 Morde und 129 Vergewaltigungen auf die Hauptstadt Port Moresby. Im ganzen Vorjahr waren landesweit 592 Morde von den Behörden verzeichnet worden. Wie hoch die Dunkelziffer ist, weiß keiner.

Die Sicherheitslage ist regional unterschiedlich, trotzdem hört man im immer wieder von grauenhaften Geschichten über Überfälle, Mord und Vergewaltigung.


Die Region um Port Moresby, Teile des Hochlandes und Lae sind beispielsweise Gebiete in denen man sich nachts nicht im Freien bewegen sollte. Im Hochland werden regelmäßig Fahrzeuge durch sogenannte "Rascals" gestoppt und die Insassen bis auf die Unterwäsche ausgeraubt.
Vor allem Frauen sollten sich an die Hinweise der Leute vor Ort halten und abends nicht mehr ohne Begleitung rausgehen.
Auf der anderen Seite ist es in vielen Gebieten verhältnismäßig sicher. Die Milne Provinz im Südosten, Goroka im zentralen Hochland aber auch Madang gelten als relativ ruhige Regionen.

Seit Anfang diesen Jahres gibt es nun auch eine neue Mobilfunkfirma mit dem Namen Digicell. Zu meiner Zeit wurden die Handys für einen
Stückpreis von 30€ verkauft. Der Andrang war oftmals so groß, dass die Menschen nur mit Gewalt am Eindringen gehindert werden konnten.
Teilweise wurden die Handys auch ohne Ladegerät verkauft oder in Gegenden wo es keinen Strom gab und die Leute haben sich nach zwei Wochen zu Recht "beschwert", warum das Gerät nicht mehr funktioniert.

 


 

In den letzten Jahren hat sich ein regelrechter Boom mit der Gründung von Sicherheitsfirmen entwickelt. Allein in der zweitgrößten Stadt Lae gibt es rund 6 verschiedene Unternehmen. Der Lohn für einen Wachmann ("Guard") beträgt ungefähr einen Euro pro Tag. Im Supermarkt stehen in der Regel zwei oder vier Guards am Ausgang, zwei an jedem Tor auf dem Parkplatz und teilweise noch welche die in den Gängen patrollieren. Bewaffnet sind sie mit einem Schlagstock aus Holz, teilweise aber auch mit Macheten oder großen Messern.

 

Während meines Aufenthalts hatte ich eine eigene kleine Wohnung - die neben dem Haus von meinem Nachbarn nachts von drei Guards bewacht wurde. Trotzdem kam es in der einen Nacht zu einem Überfall, als 11 Leute in ein Nebengebäude eindrangen - den Wachmann zusammenschlugen und fesselten. Das Haus war ungefähr 50m entfernt. In einigen Nächten fielen auch Schüsse.

Die Neuguinis sind handwerklich sehr geschickt und bauen sich nahezu alle Jagdwerkzeuge selbst. Im Bild sieht man eine selbstgebaute
Harpune, den Gummi bekommt man in der Stadt zu kaufen.

Selbstgebaute Kinderarmbrust die einem Nachbarsjungen gehörte. Das Blech stammt von einem Bürotacker, der Gummi
von einem Fahrradreifen...

Der Überfall

Und am Ende ist es doch passiert und wir sind Teil eines Überfalls geworden. Jeder der Mitarbeiter vor Ort kennt eine ähnliche Geschichte zu berichten.
Teilweise wurden sie auf ein Maisfeld verschleppt und bis auf die Unterhose ausgezogen, Auto, Geld, Kamera, Kleidung alles weg. Teilweise werden die Waffen auch unter Zeitungen versteckt...

Mein Nachbar, seine Frau und ich waren auf dem Gemüsemarkt gewesen und wollten mit dem Bus wieder nach Hause fahren. Als wir aus dem ersten Bus ausstiegen und in den anderen einsteigen wollten, standen wir ca. 10s auf dem Platz. Plötzlich schrie ein Mann irgendwas von "money, give me your money!" und fuchelte mit einer selbstgebauten Schrotflinte vor unserer Nase rum. Offensichtlich wollte er meinem Nachbarn seine Gürteltasche abnehmen. Der jedoch wehrte sich und drückte die Waffe nach unten. Daraufhin kam ein zweiter Angreifer und schlug ihm mit einem relativ langem Buschmesser gegen den Hals. Zum Glück konnte er den Schlag abfangen und die Machete streife seinen Hals nur.

Als die Angreifer die Tasche immer noch nicht hatten griff sich der dritte einen Stein und schlug ihm in den Hinterkopf. Bis ich das alles realisiert hatte und zum Auto lief, waren die drei Angreifer schon wieder weg. Mein Nachbar lief hinterher und wollte sie einholen aber seine Frau rief ihn wieder zurück. Als er dann zum Auto zurückkehrte lief das Blut bereits  seinen Kopf und Hals hinunter.

Im Bus versuchte ich das Blut mit einem T-Shirt aufzuhalten - zu Hause wurde er dann notdürftig vernäht.  Die Halswunde hat sich einige Wochen später nocheinmal entzündet und ist auch  4 Monate nach diesem Überfall immer noch nicht richtig verheilt. Unterwegs haben wir der Polizei von diesem Vorfall berichtet, die aber keinen Täter mehr ausfindig machen konnte.


Letztendlich haben wir großes Glück gehabt, dass die Sache so glimpflich ausgegangen ist. Die selbstgebaute Pistole wurde zum Glück nicht abgefeuert oder war nicht geladen. Das Gefühl in den Lauf einer Waffe zu schauen ist trotzdem nicht beschreibbar.

Fakt ist aber auch, dass diese selbstgebauten Waffen funktionieren und ziemlich gefährlich sind. Die Patronen bekommt man illegal auf der Straße zu kaufen oder man einen Polizisten besticht. Die Beamten haben verständerlichweise natürlich auch Angst von den eigenen Kugeln angeschossen zu werden und sind wenig kooperativ zum Korruption auch eine Rolle spielt. Alkohol und Drogenkonsum  sind auch beim Militär und der Polizei an vorzufinden.


Auf den Aufbau dieser Waffen möchte ich hier jedoch nicht weiter eingehen und warne jeden davon, so etwas nachzubauen!

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 01. September 2009 um 18:53 Uhr